Probetexte

Um Ihnen einen kostenlosen Einblick in Joschas aktuellen Schreibstil für Kurzgeschichten zu geben, sind hier ein paar kurze Geschichten (für Kinder) zur Verfügung gestellt. Teilweise handelt es sich dabei um echte Texte aus vergangenen Aufträgen.

Viel Spaß beim Lesen!

Sollten aktuell noch nicht so viele Texte vorhanden sein, schauen Sie doch bitte einfach später noch einmal vorbei!


Maja und der mysteriöse Ball-Klau

(oder auch: Geschossen und verschwunden)

Maja stand mit ihren Mitspielerinnen Anja und Ben auf dem Platz und starrte aufs Tor. Auch Anja starrte aufs Tor. Und Ben. Alle starrten sie aufs Tor.
»Das kann doch nicht sein!«, sagte Anja.
»Warte«, sagte Ben. »Lass uns noch einmal ganz von vorne gucken und überlegen, wie es bloß dazu gekommen sein konnte.«
Damit waren die anderen einverstanden. Die drei Freunde setzten sich auf das Gras und begannen, noch einmal das Vergangene Revue passieren zu lassen.

»Also«, sagte Maja. »Wir haben gespielt.«
»Und dann hast du geschossen«, sagte Anja.
»Ja. Und dann …«
Alle hielten kurz inne.
Ben brach die Ruhe: »Ja, dann war der Ball weg.«
»Hmmm«, machte Maja. »Hmm«, machte Anja.

Wie konnte das denn bloß passiert sein? Da hatten die Freunde einfach nur ein bisschen mit dem Ball spielen wollen … und dann ist der einfach verschwunden! Aus dem nichts – ins Nichts!
Den Kindern war klar: Irgendwas war hier faul. Irgendwas konnte doch hier nicht stimmen.
»So ein Ball verschwindet doch nicht so einfach!«, wusste Ben.
Da stimmten ihm die anderen zu. Und trotzdem wussten sie nicht weiter. Aber sie wussten: »Der Ball muss wieder her!«
»Ganz unbedingt muss der Ball wieder her!«, bestätigte Maja. »Ihr wisst doch, dass der Timon gehört!«
Timon war Majas Bruder. Er war ein paar Jahre älter als die Freunde und konnte sich mit seinem eigenen Taschengeld bessere Bälle kaufen. Gelegentlich lieh Maja sich seinen Ball aus, um mit ihren Freunden spielen zu können.

Auf einmal entdeckte Maja etwas: »Guckt mal, da drüben!«, wisperte sie ihren Freunden zu.
Ruckartig drehten sich Anja und Ben um.
»Wo?!«, riefen sie überrascht.
Maja schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. »Seit doch mal vorsichtiger!«

Wie man in so einer Situation zu handeln hat, wusste Maja. Das hatte sie letztens in einem Buch gelesen. Da waren sie auch einem Verbrecher auf die Sprünge gegangen. So einem richtigen Ganoven!
Das wollte Maja jetzt auch. Und ihre tollpatschigen Freunde sollten das bloß nicht vermasseln.
»Kommt mit«, flüsterte sie, »und seit bitte vorsichtig!«

Langsam standen die Drei auf und gingen in die Ecke, aus der Maja etwas gesehen hatte. Auf eine kleine Hütte zu, unweit hinter dem Bolzplatz.
Da war sie wieder! Eine graue Gestalt! Vorsichtig hatte sie hinter der Hütte hervorgelugt. Und dabei direkt Maja und ihren Freunden in die Augen geblickt.
Augenblicklich rannte die Gestalt weg. Und die drei Freunde hinterher.
»Hinterher!«, rief Maja.
»Hinterher!«, riefen ihre Mitspieler.

Die drei Fußballer gaben alles und setzen zum Vollsprint an. Hinter der Gestalt her, die möglicherweise etwas mit dem mysteriösen Verschwinden des Balls zu tun gehabt hatte.
Die Gestalt rannte, aber die anderen waren schneller. Mit geballten Kräften traten sie ihr in die Kniekehlen. Die Gestalt stolperte – und fiel hin.
Jetzt konnten die Freunde den Unbekannten genau mustern. Er trug ein schwarzes Sweatshirt, eine dunkle Hose und eine schwarze Mütze, die tief übers Gesicht gezogen war. Um die Augen waren Löcher geschnitten. In den Armen hielt die Personen einen Ball. Majas Ball.

Ben zog der Gestalt die Mütze ab. »Wollen wir doch mal herausfinden, wer hinter dem dreisten Ballklau steht!«, rief er triumphierend.
Plötzliche hielten sie inne. Die drei machten große Augen.
»DU!?«, fragte Maja.
»Du?«, fragten die beiden anderen.
Sie konnten es kaum fassen. Der mysteriöse Ball-Dieb war niemand geringeres als – als Timon, Majas Bruder!
»Was machst du denn hier?«, fragte Maja. »Und warum lässt du unseren Ball verschwinden?«, fragte Anja. Jetzt war Timon den Drei eine Erklärung schuldig. Doch vorerst konnte er nichts sagen. Er war noch zu sehr außer Atem von der holprigen Flucht.
»Du … du«, haspelte Timon, »du nimmst dir immer meinen Ball!« Er stockte kurz. »Ohne mich zu fragen!«
Noch immer prustete Timon nach Luft. Sie waren einfach so schnell gerannt. Die anderen waren besser in Form – sie trainierten schließlich häufiger. Aber dass Timon einfach den Ball geklaut hatte, das konnte keiner fassen.

»Ja, aber, aber ich dachte, du hättest nix dagegen, dass ich deinen Ball ausleihe«, erwiderte Maja verwundert.
»Du hättest mich doch wenigstens mal fragen können! Ich wollte euch jetzt einfach mal einen auswischen. Als Rache!«
Maja schüttelte den Kopf. Damit hätte sie niemals gerechnet. Aber irgendwo hatte ihr Bruder ja recht – vielleicht hätte sie ihn wirklich besser fragen sollen?

»Weißt du was?«, fragte Ben schlichtend. »Hast du vielleicht Lust, einfach ein bisschen mit uns zu spielen?«
Damit war Timon einverstanden.
Irgendwie hatte das Ganze ja dann doch noch ein gutes Ende genommen – zum Glück.


Von Joscha Westerkamp

Oma und ihr Zauber-Koch-Mich-Topf

Oma Berta steht am Herd und rührt in ihrem Zauber-Koch-Mich-Topf. Es qualmt. Es brodelt. Es blubbert und es – es riecht sooo gut!

Der kleine Benni steht hinter der Oma und schaut ihr über die Schulter. Also natürlich nur so weit, wie der kleine Benni herübergucken kann. Benni ist nämlich noch nicht so groß. Aber Benni ist clever: Er hat sich auf einen Stuhl gestellt, um in Omas Zauber-Koch-Mich-Topf gucken zu können.
Er sieht immer noch nichts. Benni stellt sich auf die Zehenspitzen.
»Dass du mir bloß nicht runterfällst!«, mahnt die Oma. Da muss die Oma sich keine Sorgen machen, weiß Benni. Schließlich ist er schon sieben.
»Und Siebenjährige fallen nicht mehr von Stühlen!«, sagt er.

Oma Berta hat aufgehört zu rühren. Ein ganz besonderer Duft erfüllt den Raum. Es riecht sooo lecker.
Hoffentlich schmeckt das auch so gut, denkt der kleine Benni.
Oma stellt ihren Zauber-Koch-Mich-Topf auf den Tisch und tut dem Benni eine große Portion auf seinen Teller.
Soviel wird er doch niemals essen können, denkt der kleine Benni. Aber er sagt nichts. Weil die Oma sich so viel Mühe gemacht hat. Und weil es doch soooo gut riecht.

Benni nimmt einen kleinen Happen, steckt sich den Löffel in den Mund – nein, schnell wieder zurück. Das ist viel zu heiß.
Benni pustet kräftig.
Die Oma guckt ihn böse an. Wo doch gerade Corona herumgeht. Da soll der Benni nicht über den Tisch pusten.
Eigentlich darf Benni gar nicht bei der Oma sein, hat die Mama gesagt, aber sie haben keinen anderen gefunden, der auf den kleinen Benni aufpassen kann. Und der kleine Benni ist doch so gerne bei der Oma. Weil die Oma doch ihren Zauber-Koch-Mich-Topf hat. Also darf Benni bei der Oma sein.

Nachdem Benni kurz gewartet hat, nimmt er einen Happen.
Es ist, also wäre er in einer anderen Welt. Auf seinem Gaumen ergeben sich alle möglichen Geschmäcker. Benni stellt sich vor, wie er durch das All fliegt, nur er, mit der Oma und ihrem Zauber-Koch-Mich-Topf. Ein paar Katzen fliegen da auch rum.Die haben bestimmt auch schon mal was aus Oma Zauber-Koch-Mich-Topf gegessen, glaubt Benni.

»Wie das bloß ausgeht?«, fragt sich Benni – und nimmt schnell einen weiteren Löffel aus Omas Zauber-Koch-Mich-Topf.


Von Joscha Westerkamp

Ein Tag in der Stadt

Drei Köpfe bahnen sich ihren Weg durch das Wirrwarr an großen und mittelgroßen Menschen. Hier und da wird gebaut, die Leute habens eilig, aus einem fernen Gullydeckel dröhnt das dumpfe »Kikkeriikii« eines Hahns. Großstadtluft, wenn auch die vertraute. Einkaufstüten schieben sich vorbei an anderer Leute Knie, alle sind doch viel zu getrieben für diese schöne Stadt. Links ein Tchibo, H&M und Nanu-Nana, rechts ein Optiker, ein Karstadt Sport, und – huch, was ist denn da?
Die drei Köpfe bleiben stehen, bei Alex, Emily und Ken (wie sie heißen), fängt der Kleinste an, an Papas Hand zu reißen. Er hat etwas vernommen, schnuppert in die Luft: schnüffel, schnüffel, was ein Duft! Schiebt sich da etwa, zwischen all dem hektischen Großstadt-Flair, der Duft eines leckeren Frühstücks her?
Ken spürt es, für Leckeres hat er einen Fühler, ganz gewiss; ein Happs Brötchen, der schmeckt ihm, schon beim ersten Biss. Er weiß schon, was er will, nur die Großen lassen noch kurz auf sich warten. Doch jetzt haben auch Papa und Mama es gesehen, das kleine Café, gleich rechts: na los, nur rein!
Frühstück steht da auf der Karte, Servietten liegen auf den Tischen, alles eingedeckt, ganz fein. Frische Croissants soll es hier geben, von Brot und Brötchen allerlei; Kaffee, Tee, Milch und Honig – und ein Tisch ist auch noch frei. Die Familie setzt sich, lässt sich’s schmecken, Erinnerungen an ganz vergessene Geschmäcker, die lässt das Frühstück von Creamlovers bei ihnen wecken.

Aufgegessen gehts schon weiter: durch die Stadt, jetzt sind sie heiter.
Auf so ein Frühstück muss was Gutes folgen; die Magie bloß nicht zum Stoppen bringen – doch siehe da, schon hören sie, von irgendwo unweit fern, ein paar Straßenmusikanten klingen. Ein paar spielen Gitarre, singen oder musizieren auf der Flöte, andere sind mehr aufs Geld aus, spielen bloß die laute Tröte.
So schlendern die drei – links der Papa, rechts die Mama, mitten drin der kleine Ken – gemütlich umher; wieder vorbei an Nanu-Nana, einem Handyladen, H&M. Ladenbesuche sind jetzt angesagt, ein bisschen Bummeln; keiner da, der sie hetzt – bis der kleine Ken, ganz plötzlich, fragt: »Mama, Papa, und was machen wir jetzt?«
Kurze Stille, ratloses Blicken. Alex und Emily zwinkern sich zu, beginnen zu nicken: Da gibt es etwas, was sie schon immer mal wollten!

Gerade erst Platz genommen, ohne großes Gezeter, macht es schon »Ruckel, ruckel, rumms«, nur wenig später. Eine Apokalypse? Wohl kaum; eher das Sofa im Universum-Erdbebenraum.
Das Sofa verlassen, ab zur nächsten Attraktion, geht auf einmal das Licht aus. Der Laden geschlossen, schon? Nur am Ausgang ein helles Gefunkel, in den Gang hinein ist es pechschwarz, mehr als dunkel. Papa tastet ganz vorsichtig, Mama hinterher; sie spüren ein Waschbecken, eine Tür, und unten … auf jeden Fall noch mehr. Am Ende angekommen, voll Angst und Mut, alle Hindernisse überwunden: wieder was zu sehen, das täte gut. Und siehe da, die große Rettung: Es werde Licht! Es war ja nur ein Erlebnis-Dunkelgang, mehr nicht.
Nur wenig weiter rollen Kugeln eine große Bahn herunter, mittendrin der kleine Ken, jetzt ganz munter: »Los, los!«, ruft er zur Mama – dieser Tag im Universum, »der ist ja echt der Hammer!«


Von Joscha Westerkamp

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